Tacansina Miwatani -  Schamane aus dem Volk der Mandan

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Proklamation zum Schutz indianischer Zeremonien

Nachdem wiederholt Weiße versucht haben, sich die Teilnahme an sakralen Zeremonien anläßlich indianischer Feierlichkeiten zu erkaufen, verkündete im Frühjahr 2003 Häuptling Arvol Looking Horse, in 19. Generation Bewahrer der heiligen White Buffalo Calf Pipe, eine Proklamation zum Schutz des zeremoniellen Erbes:

"Ich, Chief Arvol Looking Horse, ... danke den Teilnehmern an diesem Treffen:

  • Bernard Red Cherries, Northern Cheyenne Nation, Pfeilpriester der Northern Cheyenne und Führer der Elk Society
  • Tweety Little Bird, Northern Cheyenne Nation, Northern Cheyenne Elk Horn Scraper Society
  • Lee Pedro, Southern Arapaho Nation, Heiliger Mann der Southern Arapaho
  • Dave Chief, Oglala Nation, spiritueller Führer der Lakota
  • Dave Swallow Jr., Oglala Nation, Medizinbündelbewahrer
  • Kevin Horse Looking, Oglala Nation, Medizinbündelbewahrer
  • Floyd Hand, Oglala Nation, Medizinbündelbewahrer
  • Seb Black Crow, Oglala Nation, Medizinbündelbewahrer
  • Sam Moves Camp, Oglala Nation, Medizinbündelbewaher
  • Chris Leith, Praine Island Dakota Community, Medizinbündel-bewahrer
  • Gaylen Drapeau Sr., l-hank-to-wa (Yankton Sioux) Nation, Medizinbündelbewahrer
  • Gaylen Drapeau Jr., l-hank-to-wa (Yankton Sioux) Nation Medizinbündelbewahrer
  • Ambrose Little Ghost, Spirit Lake Dakota Nation, spiritueller Führer der Dakota
  • Calvin Medicine Bear First, Assinobome Nakota Nation, spiritueller Führer der Nakota
  • Leonard Crow Dog, Si-c'an-g'u Rosebud Sioux Nation, Medizinbündelbewahrer
  • Roy Stone Sr., Si-c'an-g'u Rosebud Sioux Nation, Medizinbündelbewahrer
  • Ned Medcalf, Si-c'an-g'u Rosebud Sioux Nation, Dolmetscher und Berater
  • Leon Red Dog, Hoh'-wo-ju Cheyenne River Sioux Nation, Medizinbündelbewahrer
  • Steve Vance, Hoh'-wo-ju Cheyenne River Sioux Nation, Medizinbündelbewahrer
  • Francis Yellow, Hoh'-wo-ju Cheyenne River Sioux Nation, Medizinbündelbewahrer
  • Jacob Sanderson, Cree Nation Canada, Medizinb ündelbewahrer
  • Kevin Ta-c'an, Sioux Valley Manitoba Dakota Nation, spiritueller Führer der Dakota

Am 8. und 9. März 2003 sind die spirituellen Führer und Bündelbewahrer der Lakota, Dakota und Nakota Nationen, der Cheyenne Nation und der Arapaho Nation zusammengekommen, um darüber zu diskutieren, wie unsere Zeremonien vor Mißbrauch und Ausbeutung geschützt werden könnten. Das Treffen fand im Cultural Center von Eagle Butte, South Dakota, statt. Gastgeber waren die Cheyenne River Sioux. Ich möchte der Praine-Island-Dakota-Gemeinde für die Finanzierung des Treffens danken. Während unseres Treffens wurde über Störungen, die während unserer Zeremonien stattfinden, ungebührliche Nachahmungen, Vermischung von New-Age-Elementen und finanzielle Berechnungen für Zeremonien gesprochen - Dinge, die in unserer gesamten uralten Zeremonialgeschichte nie vorkamen. Es wurde ferner über den Gebrauch anderer ,,Medizinen" - nämlich Drogen - während und im Umfeld von Zeremonien diskutiert.

Als uns einst White Buffalo Calf "Ptecin´cala Ska Wakan Winan" (Weiße-Büffel-Kalb-Frau) das heilige Bündel brachte, forderte sie, dass nur jene, die reinen Geistes und Herzen sind, die Chanupa berühren dürfen. Die Zeremonien, um die es geht, betreffen alle Plainsstämme. Es handelt sich um die Inipi (Reinigungszeremonie), Wi-wanyangwa-c'i-pi (Sonnentanz) und Han-ble-c'i-ya (Visionssuche).

Nach ausführlichen Diskussionen und Stellungnahmen über die Besorgnisse und die beschriebenen Vorfälle wurde entschieden, dass ich, der Hüter der heiligen White Buffalo Calf Pipe, für alle sprechen soll. Es war ein gutes Gefühl, den Beginn einer Einigkeit unserer Völker zu spüren. Darum habe ich mich jahrzehntelang bemüht ... Wir müssen mit gemeinsamer Stärke hinter unseren Zeremonien stehen!

Ich werde meine Entscheidung jetzt verkünden und begründen. Ich werde über unsere Sieben Heiligen Riten sprechen, deren Protokolle mir übergeben wurden, als ich im Alter von 12 Jahren zum Hüter der Heiligen Pfeife wurde. In diesen Protokollen ist unser traditionelles Wissen niedergelegt, das mündlich durch die Generationen weitergereicht wurde. Wir müssen uns darauf besinnen, um unsere sakralen Altäre (Ho-c'o-ka) wieder zu stärken. Ich wende mich dabei auch an jene Gebiete, in denen ich keine Verantwortung trage. Ich bin zuständig für die Sieben Heiligen Riten.

Ich habe entschieden, dass vom 9. März 2003 an es keinem Nicht-Indianer mehr gestattet ist, sich unseren heiligen Altären zu nähern, wo immer unsere Sieben Heiligen Riten betroffen sind. Der einzige rechtliche Schutz, den uns die Regierung in dieser Frage bietet, ist das Gesetz, das es nur eingeschriebenen Stammesmitgliedern erlaubt, Adlerfedern zu tragen.

Alle Sieben Heiligen Riten aber, wie es uns überliefert ist, verlangen von den Teilnehmern, dass sie sich Adlerfedern verdient haben und diese tragen. Die Adlerfeder steht für das Wissen unserer Völker und die Führung auf unseren spirituellen Wegen.

Wi-wanyang-wa-c'i-pi (Sonnentanzzeremonie):
Die einzigen Teilnehmer, denen es gestattet ist, daran teilzunehmen, sind Indianer. Nicht-Indianer müssen diese Entscheidung verstehen und respektieren. ... Wir wollen, dass der Sonnentanz in erster Linie und vor allem für künftige Generationen bewahrt wird. Nicht-Indianer, die dieses Ziel verstehen, werden diese Entscheidung verstehen und begreifen, dass ihre Entfernung von unserem heiligen Altar einen ehrlichen Beitrag für das Überleben dieser Zeremonie für kommende Generationen darstellt.
Jeder sollte verstehen, dass die Wi-wanyang-wa-c'i-pi Zeremonie nicht nur in der Mitte des Platzes stattfindet, wo sich der Altar mit den Tänzern befindet. Auch alle Unterstützer abseits des Mittelpfahls, die sich im Gebet befinden, spielen eine Rolle in der Zeremonie. Vom Tor über die Kochhütte bis zu den Feuerbewahrern und den Unterstützern rings um den Baum, sogar bis zum Mond-Lager, sind alle Anwesenden Teil dieser heiligen Zeremonie.
Wer am Sonnentanz teilnehmen will, sollte sich zuvor durch die Visionssuche (Han-ble-c'i-ya) vorbereiten
Die Vorbereitungen des Tanzes werden nach den alten Protokollen durchgeführt, die das Verhalten vor und während der Zeremonie beschreiben. Nur diejenigen, die den Traum oder die Anweisung empfangen haben, an der Zeremonie teilzunehmen, weil sie um die Gesundheit eines anderen besorgt sind, sollten tanzen. Die Tänzer sollten von anderen Teilnehmern an der Zeremonie abgesondert werden, um nicht durch die Energie oder Gedanken anderer Menschen geschwächt zu werden. Sie sollen während der viertägigen Zeremonie keinerlei Nahrung oder Wasser zu sich nehmen. Falls sie gesundheitliche Probleme befürchten, sollen sie eine Person aussuchen, die ihre Verpflichtung übernehmen und beenden kann. Diese Zeremonie soll aber jenen vorbehalten sein, die glauben, daß sie die erforderlichen vier Tage teilnehmen können.

Han-ble-c'i-ya (Visionssuche):
Die Visionssuche soll ausschließlich Indianern vorbehalten sein, die einen entsprechenden Traum oder eine Vision hatten. Ferner ist dieser Ritus für junge Männer und Frauen gedacht, die das Alter von 12 Jahren erreicht haben.

Inipi (Reinigungszeremonie):
Wer diesen heiligen Ritus durchlaufen will, sollte imstande sein, mit Tun-ka´shila (unseren Heiligen Großvätern) in ihrer Stammessprache zu kommunizieren.
Das Recht an der Teilnahme sollen sie sich durch ein vollständiges Han-ble-c'i-ya Ritual und die viertägige Teilnahme am Wi-wanyang wa-c'i-pi verdienen.

Die anderen vier heiligen Riten, das Verwandschaftmachen (Hun-ka ka-g'a), das Werfen des Heiligen Balls (Tapa kah'-g'o-ya), die Frauwerdungszeremonie (Wi-yan is' na ti), die Geistbewahrungszeremonie (Na-g'i glu-ha) sollen ausschließlich legitimierten Lakota, Dakota und Natkoka vorbehalten sein.

Ferner wurde entschieden, dass ausschließlich legitimierte Lakota-, Dakota- und Nakota-Medizinbündelbewahrer die Zeremonien durchführen dürfen, die mit unseren Altären in Verbindung stehen, also etwa die Lo-wa-pi und die U-wi-pi Zeremonien.

Es darf keinen Preis dafür geben, an einer unserer Heiligen Zeremonien teilnehmen zu dürfen. Nur das benötigte o-pa-g'i darf angeboten werden, das bedeutet ein Opfer einer Chanupa oder des Tabaks, mit dem gebetet wird ...

Medizinpersonen müssen leben - und wenn Menschen ihnen Geld oder andere Geschenke anbieten, nachdem ihnen durch eine Zeremonie geholfen wurde, und wenn es von Herzen kommt, sehen wir darin kein Problem. Wir vertrauen darauf, dass die Großväter uns helfen werden, den Lebensunterhalt in dieser modernen Gesellschaft zu bestreiten, entweder durch Geld, Pferde, Decken, Lebensmittel oder anderes, das zeigt, wie sehr unsere Hilfe geschätzt wird. Einige Menschen können große Geschenke geben, andere können das nicht - es gleicht sich alles aus.

Meine Haltung betrifft nur die Sieben Heiligen Riten. Ich kann unseren Medizinleuten nicht vorschreiben, wem sie die Teilnahme im Hinblick auf Nicht-Indianer erlauben. Ich kann ihnen nicht vorschreiben, ob sie Ärzte bei ihren Zeremonien zulassen. Ich kann Ihnen nicht vorschreiben, wohin sie zu einem Arzt gehen.
Ich habe meine persönliche Meinung darüber, wer der Hüter unserer Heiligen Pfeife (Chanupa) sein sollte. Die Chanupa ist sehr heilig, und der Bewahrer sollte durch einen Traum bestimmt werden und von indianischer Herkunft sein. ... Grund für meine Sorge ist, dass mir bewußt ist, dass die Chanupa eine internationale Bedeutung erhalten hat und zum Geschäft geworden ist. Ich weiß, dass die meisten Nicht-Indianer unsere grundlegenden Überlieferungen nicht verstanden haben. Ihnen fehlt auch der traditionelle Hintergrund, mit diesem heiligen Gegenstand richtig umzugehen. Mir ist bewußt, dass es menstruierenden Frauen sowie Männern, an deren Händen Blut klebt (weil sie einem anderen das Leben genommen haben) erlaubt wurde, die Chanupa zu berühren und zu tragen. Derartiges hätte nie erlaubt werden dürfen.
Ich drücke meinen Dank jenen Nicht-Indianern aus, die die Chanupa an unser Volk zurückgegeben haben, nachdem ich ihnen meine Besorgnis mitgeteilt habe. Ich erkenne ihre Aufrichtigkeit an, unseren Nationen zu helfen, ihren traditionellen Weg im Namen unserer künftigen Generationen zu bewahren. Sie haben uns geholfen, Ehre und Respekt für unsere heiligen Ho-co-ka und Chanupa zurückzugewinnen.

Es gab ferner eine Diskussion, ob nur Mitglieder von Plainsvölkern an den Ho-co-ka, Wi-wanyang wa-c'i-pi und Han-ble c'i-ya Zeremonien teilnehmen dürfen. Anfang der 1970er Jahre haben Chief Fools Crow und mein Vater, Stanley Looking Horse, entschieden, daß andere Nationen ebenfalls zu den Riten zugelassen werden sollen. Grund dafür war, dass die meisten Nationen ihre rituellen Wege durch Assimilation oder durch fehlende Lehrer, die sie ihre traditionellen Wege lehren konnten, verloren haben. Sie fühlten sich der Einheit der eingeborenen Völker verpflichtet, als verschiedene Stämme die Besetzung von Wounded Knee unterstützten. Ich kann diese Entscheidung aus Respekt vor unseren Häuptlingen und Ältesten nicht zurücknehmen. Außerdem gehört es zu unserer Geschichte, dass unsere Vorfahren unsere Zeremonien respektvoll mit anderen eingeborenen Nationen geteilt haben.

Die ursprüngliche Lehre war, dass die Pfeifenträger ihre eigene Chanupa herstellen sollen. Darin wurde die Weiterführung der aufrichtigen spirituellen Energie und der traditionellen Werte durch die Linie des Blutes verstanden. All diese Werte wie Mitleid, Liebe, Ehre, Respekt und Wahrhaftigkeit sind eingebunden in das spirituelle Leben, das sie hervorbringen. Ich hoffe, dass künftige Generationen eines Tages diese wichtige Wahrheit wieder aufgreifen.

Ich möchte unsere gesamten Lakota-, Dakota- und Nakota-Nationen zur nächsten Zeremonie einladen, wenn ich das Heilige Weiße Bisonkalb-Bündel öffnen werde...

Es wird ein weiteres Treffen zum Schutz unserer Zeremonien mit Diskussionen und Reden über diese ernste Angelegenheit geben. Dieses Treffen wird von der Cheyenne-Nation gefördert werden...
Im Heiligen Ring des Lebens, wo es weder Anfang noch Ende gibt!
Mitakuye Oyasin."

Diese Erklärung - die hier nur um unwesentliche Passagen gekürzt wiedergegeben ist - wurde von allen indianischen Medien verbreitet und erregte beträchtliches Aufsehen. Es wird jenen, die die Teilnahme an sakralen Zeremonien gegen Bargeld an New-Age-Jünger und weiße Esoteriker verkauft haben, künftig schwerer werden, diese Praxis weiter zu pflegen.
Tacan´sina Miwatani


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